America Votes (LIVE)

16:50: Los gehts. Also mit meinem Liveblogging. Im Fernsehen ist die Wahl natürlich schon den ganzen Tag über Thema Nr. 1. Das erste große Thema waren die langen Schlangen an den Wahstationen im ganzen Land, die auf eine Rekordwahlbeteiligung schließen lassen. Teilweise standen die Wähler bis zu 3 Stunden (!) geduldig Schlange. Warum nur, fragte ich mich, schaffen die das in den USA nicht wie in Deutschland, dass wählen ein relativ kurzes Vergnügen wird? Liegt das wirklich nur daran, dass die Amis gleichzeitig auch noch über viele andere Dinge abstimmen (Senat, House of Representatives, Referenda, etc.)??
17:05: Auch die ersten technischen Probleme mit den Wahlmaschinen oder mit fehlenden Wählern auf den Listen sind ein großes Thema. Bei CNN gibt es sogar eine extra Hotline, wo man anrufen kann, wenn man solche Probleme erlebt oder beobachtet hat - und der Sender geht dem dann nach, wenn sich in einer Gegend besonders viele solcher Anrufe gibt.
17:30: Die ersten Umfragen. Es geht um die wichtigsten Themen bei der Stimmenabgabe. Die Wirtschaftslage bekam mehr als 60% der Stimmen - der Irak-Krieg und (der Krieg gegen den) Terrorismus waren jeweils nur für weniger als 10% entscheidend. Das wäre wohl vor 1 Jahr noch ganz anders gewesen.
17:35: Auf der Startseite des amerikanischen Facebook - also dem hiesigen StudiVZ - war heute übrigens ein großer Aufruf zu lesen: "Go Vote!"
17:40: Weitere Umfragen: 70% der Erstwähler haben demzufolge für Obama gestimmt.
17:50: In Florida wurde heute (erst heute!) wohl eine Telefonaktion von und gerichtet an Cuban-Americans gestartet: "Fidel Castro unterstützt Obama. Hugo Chavez und andere auch. Um zu verhindern, dass es kubanische Zustände in den USA gibt - geh und wähle McCain!" Dass Leute so etwas glauben...
19:00: Eine Stunde später. CNN mit den ersten Prognosen: Obama gewinnt Vermont. McCain gewinnt Kentucky. Beides wie erwartet.
19:30: Noch keine Prognosen für Indiana, einen der Battlegrounds, aber erste Zahlen. Und die deuten stark auf einen Sieg Obamas hin - denn er liegt nur knapp zurück und die stärksten Wahlbezirke kommen erst noch.
20:00: Obama führt mit 55-44 Prozent in South Carolina, zumindest nach den derzeit ausgewählten Stimmen - und doch sagt CNN voraus, dass der Bundesstaat an McCain gehen wird. Man habe, so heißt es, genügend andere Information, und das state-wide, während die aktuellen Zahlen nur aus wenigen Wahlbezirken stammen.
20:05: Das ging schnell! Die nächsten 16 Staaten kommen rein...und CNN sagt voraus: 8 davon gehen an Obama - Massachussets, sein Heimstaat Illinois, Connecticut, New Jersey, Maine (zumindest 3 von 4 Wahlmänner...Maine ist einer von zwei Staaten, wo die Wahlmänner aufgeteilt werden (können), der andere ist Nebraska), Delaware, Maryland und Washington D.C. McCain gewinnt in Oklahoma und Tennessee. Alles wie erwartet. Sechs weitere Bundesstaaten sind noch "too close to call", darunter die wichtigen Florida und Pennsylvania und weitere "battleground states". Neuer Zwischenstand = 77 zu 34 für die Demokraten. Für den Sieg werden 270 benötigt.
20:10: In Virginia sieht es gut aus für Obama...im Vergleich zu Bush schneidet McCain in vielen Wahlbezirken schlechter ab, selbst in denen, in denen er gewinnt. Und viele von Obamas starken Wahlbezirken kommen erst noch. Unterm Strich das gleiche Bild wie in Indiana.
20:40: New Hampshire an Obama. Und Pennsylvania mit seinen 21 Wahlmännern! Eigentlich festes Demkoratengebiet, aber in den vergangenen Wochen hatte McCain gerade hier besonders hart gekämpft. Alles umsonst. Obama führt jetzt 102-34. In Florida führt er auch (52-48, nach 40% der Wahlbezirke), aber da kann noch viel passieren. Aber wenn er da gewinnt...hmm...das letzte Mal gelang das einem Demokraten 1996...und da hat Clinton auch die gesamte Wahl gewonnen.
21:05: Wieder CNN, wieder neue Vorhersagen: McCain holt sich wenig überraschend Wyoming und North Dakota. Obama schnappt sich, ebenso ganz wie erwartet, Rhode Island, Michigan, Wisconsin, Minnesota und New York. Zwischenstand = 174-49. Leider habe ich keine anderen amerikanischen Sender, welche die Wahl (landesweit) übertragen, kann nicht vergleichen, ob es woanders andere Ergebnisse gibt. Nur CBC - und da stehts 175 zu 75!
21:12: Georgia mit 60% an McCain (174-64). Die Battlestates bleiben allesamt eng, Obama führt weiterhin in Florida und Ohio. Besonders letztgenannter Staat ist wichtig: Kein Republikaner ist jemals Präsident geworden, ohne auch in Ohio gewonnen zu haben!
21:25: McCain holt auf. West Virginia geht an Johnnyboy.
21:30: Virginia (ohne West): gaaaanz eng. Florida ebenso. Wenn Obama beide gewinnen sollte, habe ich ein gutes Gefühl.
21:35: Und jetzt erst Recht! CNN sagt, Ohio geht an die Demokraten. Und damit 20 weitere Wahlmännerstimmen. 194 (!) zu 69.
21:40: Kleiner Seitenblick auf die "anderen" Wahlen. Bei den Senatswahlen steht es aktuell 52-35 für die Demokraten (13 undecided), wobei vielleicht wichtiger ist, dass die Demokraten aktuell 4 Sitze zusätzlich gewonnen hat. Die Lage für das House ist noch zu undurchsichtig.
21:50: CNN rechnet mal hoch. Wenn McCain alle Staaten gewinnt, die er wohl gewinnen wird, dann hat er immer noch nur 170 Stimmen. Was auf gut deutsch heißt: Er muss dann alle Battlegrounds gewinnen, selbst die, in denen der (deutlich) zurückliegt! Und selbst dann, so CNN, kommt er nur auf 260 Stimmen, weil er an der Westküste einfach keine Chance hat. Was der Sender uns damit noch sehr verklausuliert mitteilen möchte? Obama wird der nächste US-Präsident!
21:53: Louisiana an McCain, New Mexico an Obama. 199 zu 78. Noch 71 Stimmen - und Kalifornien alleine wird noch 55 bringen.
21:54: Interessant ist der Blick auf die "popular vote": Der Zwischenstand nach den bereits ausgezählten Bundesstaaten zeigt einen äußert knappen Vorsprung von Obama, lediglich 50 zu 49 Prozent!
22:00: Iowa an Obama. "This is where it all started, when he won the Iowa primary", kommentiert CNN, "a huge win for him." Utah an McCain. Stand niemals zur Disposition. Ebenso Kansas.
22:28: Grad mal was zu essen gemacht, ein später Abendsnack zum Durchhalten. Texas ist derweil an McCain gefallen, während Virginia und Florida noch immer unklar sind. Aber Obama führt in beiden.
22:42: Neuigkeiten aus den Senatsrennen. Es sieht so aus, als ob die Demokraten ihre Mehrheit ausbauen können, jedoch die erhofften "filibuster-proof" 60 Sitze verpassen. Aktuell riecht es nach 57, 58 Sitzen.
22:59: Obama gewinnt Virginia - als erster Demokrat seit 1964! Er hat damit 220 Stimmen. Rechnet man alleine Kalifornien dazu (55 Stimmen), reicht das schon für >270 Stimmen und den Sieg.
23:00: "Barack Obama elected President." CNN macht es amtlich. Nach den Siegen in Oregon, Washington und Kalifornien gibt es daran nichts mehr zu rütteln. 297 zu 139 für den ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten! Unglaublicher Jubel in Chicago auf der zentralen Wahlkampffeier der Demokraten. Und CNN lässt es einfach laufen, hält minutenlang einfach mal die Klappe.
23:08: Bei CNN versuchen sie sich gerade an pathetischen Worten, was für ein historischer Moment das doch gerade ist. Sie mögen Recht haben - aber es ist trotzdem krass nervig!
23:19: MCCain gesteht im Fernsehen seine Niederlage ein. Er zollt Obama Respekt, vor allem dafür, dass er Menschen Mut gemacht hat, die früher niemals gedacht hätten, dass sie einmal eine Wahl entscheiden könnten. Er ermuntert alle seine Anhänger ihm darin zu folgen, Obama und den Demokraten nicht nur zu gratulieren, sondern auch amerikanische Einigkeit zu demonstrieren und GEMEINSAM das Bestmögliche für das "beste Land der Welt" zu erreichen. Er dankt auch Palin, und zwar so übertrieben, dass es eigentlich jedem auffallen müsste, dass dies einfach nur eine nettgemeinte Lüge sein kann. Auch McCain muss doch inzwischen erkannt haben, dass Palin ihm vielleicht den Sieg kostete...
23:27: Virginia übrigens auch ein Obama-Staat. Über 300 Stimmen (genauer: 338) hat er jetzt. Im Senat haben die "Blauen" nunmehr 56 Sitze.
23:35: George W. Bush hat Barack Obama inzwischen gratuliert, so heißt es. Derweil warten die Zuschauer in Chicago immer noch auf ihren Helden.
23:45: Obama sei ein wahrer "national President", habe er doch nicht nur die "blue states" gewonnen, sondern eben auch in Virginia, Florida und New Mexico. Gespannt ist man auf die Siegesrede, in der es eben nicht nur um die Feier des Sieges, sondern auch um das Programm für die kommenden 4 Jahren gehen wird, gehen muss.
0:00: Er betritt die Bühne - Barack Hussein Obama, der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. "Gibt es dort draußen noch jemand, der die Macht unserer Demokratie bezweifelt? Hier ist eure Antwort!", so beginnt er. Gratulationen an McCain, Obama spielt den Ball zurück und sagt: "Ich freue mich mit ihm zusammenzuarbeiten." Dann Persönliches: Dank an die Frau, die Töchter, die Großmutter - und das Volk jubelt nicht, sondern schweigt ergriffen. Dann: "Ich werde niemals vergessen, wem dieser Sieg wirklich gehört. Er gehört euch." Dann wird es ernst. Obama nennt die Herausforderungen der kommenden Jahre - die Finanzkrise, Irak, Afghanistan, soziale Probleme. "Es dauert vielleicht länger als ein Jahr, länger als eine Amtszeit - but we as a people will get there! Es wird Rückschläge geben, aber ich werde immer ehrlich mit euch sein." Dann kommt auch Berlin in seiner Rede vor: Er nennt Wendepunkte der Geschichte, immer gefolgt von einem "Yes, we can", und einer davon ist auch der Mauerfall.
0:21: Noch lange nach der Rede ertönt Siegesmusik, umarmen sich die Familien von Obama und Biden anderen Demokraten auf der Bühne. Emotionale Momente.
0:25: Ich muss mich korrigieren, was die "popular vote" angeht: Obama führt nur knapp, aber er führt und hat mehr als 50 Prozent. Als erster Demokrat seit Carter in den 1970ern.
0:27: Und ich dachte, nur ich mach sowas - Aussagen von CNN einfach kopieren und für meine eigenen verkaufen. Denkste! SPIEGEL Online macht das auch. Klickt euch einfach mal auf deren Live-Blog und lest den Eintrag von 5:51 Uhr. Und lasst euch sagen, dass das so und genau so und wortwörtlich so auf CNN gesagt wurde.
0:40: Im Senat wird es nicht für die 60 reichen, soviel kann man wohl schon sagen. Die Demokraten stehen weiterhin bei 56 Sitzen, 4 Staaten stehen noch aus. Von denen sie (mindestens) einen verlieren werden...womit es nichts mit der Filibuster-Mehrheit werden wird. Dennoch: Präsidentschaft, Senatsmehrheit, House-Mehrheit, alle in den Händen der "Blauen".
1:09: Es interessiert eigentlich niemanden mehr so wirklich, aber in 5 Staaten ist noch immer kein Sieger gefunden: Montana (Obama führt mit 300 Stimmen!), Missouri (McCain), Indiana (Obama) und North Carolina (Obama), dazu natürlich auch Alaska, kein Wunder, bei deren Zeitzone.
1:12: Acht Stunden Wahl-TV gehen zuende, zumindest für mich. Morgen werde ich noch einmal über die Endergebnisse bloggen - und auch mal einen Blick auf die zumindest in Deutschland weitgehend vernachlässigten Referenden in den Bundesstaaten werfen. Bis dahin, schlaft schön und gute Nacht

5.11.08 07:09

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